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In der
kolumbianischen Drogenmetropole Medellin zählt das menschliche
Leben nicht viel. Schon gar nicht, wenn es es sich um das
Leben eines Straßenkindes handelt. Christiano musste das
jahrelang am eigenen Leib erfahren. Bis er „seinen Engel“
traf: Medellins barmherzigen Vater.
Interview mit Padre Mejia
Viele Straßenkinder sind drogensüchtig. Wie kann diese
Abhängigkeit überwunden werden?
"Wir wenden eine spezielle Methode an: die
„interventionstherapeutische Kommunität“. Dabei geht es um
eine Gemeinschaft, die Hilfe zur Selbsthilfe bietet: Du hilfst
mir, ich helfe dir, wir helfen uns. Die Kommunität unterstützt
den Einzelnen. Die Grundpfeiler dieses Lebens in Gemeinschaft
sind Respekt, Gerechtigkeit und Spiritualität. Wir sind
überzeugt davon, dass zuerst die Persönlichkeit des Süchtigen
wieder aufgebaut werden muss, bevor man mit der eigentlichen
Therapie beginnen kann. Hier gab uns Viktor Frankls
Logotherapie wichtige Impulse. Gemeinsam mit den Jugendlichen
versuchen wir einen Sinn für ihr Leben neu zu entdecken.
Wesentlich ist dabei oft die Wiedereingliederung in die
Großfamilien, ein Rückführen der ehemals Süchtigen in ihre
gewohnte Lebensumgebung."
Wie lange dauert
so eine Therapie?
"Wir
geben keine zeitlichen Grenzen vor. Diejenigen, die zu uns
kommen, können so lange bleiben, wie sie wollen. Je mehr Zeit
sie sich selbst gönnen, desto höher sind die Chancen für einen
nachhaltigen Sieg über ihre Sucht. Wir bieten nicht nur
ehemaligen Straßenkindern oder Kindersoldaten unsere Hilfe an.
Auch Erwachsene kommen in unsere Rehabilitationszentren. Sie
bleiben durchschnittlich 13 bis 14 Monate bei uns. Die meisten
Kinder leben hingegen fünf bis acht Jahre in unseren Häusern
mit und durchlaufen verschiedene Stationen. Bei den Jüngeren
geht es, anders als bei Erwachsenen, nicht nur darum, in ein
normales Leben zurück zu finden. Sie wissen zumeist gar nicht,
was ein „normales Leben“ ist."
Medellin galt
jahrelang als die gefährlichste Stadt der Welt. Haben Sie
keine Angst?
"Angst ist kein guter Ratgeber. Ich bin Priester. Somit habe
ich schon von Berufswegen ein riesengroßes Vertrauen in die
Liebe Gottes und wenig Angst vor dem Tod. Aber es stimmt
schon: Das Leben hier ist gefährlich. Ich selbst wurde einmal
von einem Kind, das in unserem Haus ein und aus ging,
angeschossen. Ein Gangster hatte den Burschen bezahlt, mich
umzubringen. Wahrscheinlich hatten wir zu viele seiner kleinen
Drogenkuriere von der Straße geholt."
Wie geht man
mit so einem Erlebnis um?
"Der
Mordanschlag hatte mich damals traurig gemacht. Man versucht,
Straßenkindern ein Zuhause und eine Zukunft zu geben und dann
wird man beinahe umgebracht. Mit Dankbarkeit hat das nichts zu
tun. Unsere Arbeit ist geprägt von Rückschlägen. Machen müssen
wir sie trotzdem. Es ist wichtiger, ein Licht anzuzünden, als
über die Finsternis zu klagen." |